| Die Nachricht von einem zweiten Urvogelfund, der den ersten an Vollständigkeit und Schönheit erheblich übertreffen sollte, schlug daher in der Gelehrtenwelt wie eine Bombe ein. Es waren 16 Jahre seit dem ersten Fund auf der Langenaltheimer Haardt vergangen, als im Jahre 1877, etwa dreieinhalb Wegstunden von Solnhofen entfernt, hoch über dem Altmühltal bei Eichstätt ein weiterer Urvogel ans Licht kam. Die Gesteinsplatten, ebenfalls Solnhofener Plattenkalk, waren im Steinbruch des Johann Dörr auf dem Blumenberg entdeckt worden. Auch diesmal spielte ein Häberlein, er war der Sohn des 1871 verstorbenen Pappenheimer Arztes Karl Häberlein, für das weitere Schicksal dieses Fundes eine bedeutende Rolle. Der Apotheker Ernst Häberlein verstand es, die Fossilplatten, wiederum Positiv und Negativ, in seinen Besitz zu bringen. Ernst Häberlein nahm selbst die erste Freilegung des Fossils vor, wobei sich herausstellte, daß der neue Fund den ersten an Vollständigkeit und Klarheit weit übertraf. Vor allem war diesmal neben dem prächtig erhaltenen Federkleid auch der Schädel erhalten geblieben Eine erste Mitteilung über diesen Fund machte Häberlein selbst im Mai 1877 in der naturwissenschaftlichen Zeitschrift "Leopoldina". Dies geschah offenbar in der Absicht, das Fossil zugleich mit seiner umfangreichen Sammlung Solnhofener Versteinerungen zum Verkauf anzubieten. Das ging auch daraus hervor, daß Häberlein seine genaue Anschrift, Weidenbach (Station Triesdorf bei Ansbach, Mittelfranken), angab. |
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Was war nun das Besondere an diesem zweiten Archaeopteryx, dem von nun an als das "Berliner Exemplar" bezeichneten Fund? Im Gegensatz zum ersten Urvogel von 1861, dem "Londoner Exemplar", war hier ein Tierfossil überliefert, das bei seiner Einbettung in den Bodenschlamm des Jurameeres noch nicht zerfallen war. So finden sich die Knochen des Skeletts noch in ihrer natürlichen Lage. Die Flügel mit dem Abdruck ihres schön erhaltenen Gefieders liegen vollkommen symmetrisch ausgebreitet. Die drei Finger der Hand ragen mit ihren scharfen Krallen vorne aus dem Flügel heraus. Die Hinterbeine sind noch in der Beckenpfanne eingelenkt und beinahe in Laufstellung erhalten. Der lange, echsenartige Wirbelschwanz läßt eine breite zweizeilige Befiederung erkennen, die dem Archaeopteryx einen langen, breiten Schwanzfächer verliehen hat. |
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