1.000-jährige Eiche

bei Essing im Naturpark Altmühltal



Die Eiche spielte in der germanischen Mythologie eine große Rolle. Sie war dem Gewittergott Donar geweiht. Die berühmte Donar-Eiche bei Geismar wurde von Bonifazius gefällt.

Quercus hieß die Eiche bei den Römern. Das lat. Epitheton robur bedeutet Kernholz oder bezeichnet die Eiche selbst.


Stiel-Eiche (Quercus robur)

Sommergrüner, 30-40 m hoher, breitkroniger Baum mit starken Ästen und dicker, längsrissig-netziger, tiefgefurchter, dunkelgrauer Borke. Junge Zweige riefig-gefurcht, graugrün bis graubraun mit kleinen Korkwarzen. Verzweigung oft quirlig. Winterknospen oval, schwach kantig, 5-8 mm lang. Endknospe dicht von mehreren Seitenknospen umgeben. Blattaustrieb ca. 14 Tage vor der Trauben-Eiche.

Laubblätter wechselständig, lederig, nur 2-7 mm lang gestielt (!); Spreite im Umriß verkehrt-eiförmig, zum Grunde keilig verschmälert, 10-15cm lang und etwa halb so breit; jederseits mit 5-6 rundlichen Buchten und breiten, ganzrandigen, zur Spitze gerichteten Lappen; oberseits tiefgrün glänzend, unterseits heller, auf den Adern behaart. Nebenblätter hinfällig.

Pflanze einhäusig, Blüten unscheinbar in eingeschlechtigen Ständen. Männliche Kätzchen büschelig gehäuft am Grunde von Jungtrieben, 2-4 cm lang, schlaff hängend, gelbgrün. Weibliche Blüten im Spitzenbereich der Jungtriebe, in langgestielten, 1- bis 5-blütigen Ähren. Eicheln 2-3,5 cm lang und etwa halb so dick, im unteren Drittel von einem Fruchtbecher umhüllt, in der Form sehr variabel.

Blütezeit: April/Mai; Fruchtreife: September/Oktober.

Eiche in Essing im Altmühltal

Standort: In artenreichen Eichen- oder Laubmischwäldern wintermilder, luftfeuchter Klimalagen. Auf tiefgründigen, feuchten, nährstoffreichen, lockeren, kalkhaltigen bis mäßig sauren Lehmböden, lockeren Stein- und humosen Sandböden; Staunässe meidend.


Verbreitung: Europa bis zum nördlichen Kleinasien. Von Nordportugal, Zentralspanien, Westfrankreich über die Britischen Inseln, Südskandinavien bis zum Ural und dem mittleren Wolgagebiet. Im Süden von Italien, der Balkanhalbinsel über die Krim bis zum Kaukasus. In Mitteleuropa häufig, vom Norddeutschen Tiefland bis zu Alpenhöhen von 1.000 m.


Gattung: Die Gattung Quercus ist mit 600 Arten im gemäßigten und subtropischen Eurasien, in Nordafrika und Nordamerika bis zum westlichen, tropischen Südamerika verbreitet. Die Gattung enthält immergrüne und sommergrüne Gehölze deren Früchte, die Eicheln, im 1. oder 2. Jahr reifen. In Europa gibt es 25 Arten, 3 davon in Mitteleuropa. Die Eiche gehört zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae).


Die Stieleiche ist, wie alle Eichenarten, windblütig. Die unscheinbaren Blüten haben eine 5- bis 8-teilige Blütenhülle und 6-8 Staubblätter. Die Pollenproduktion ist zwar beträchtlich, aber nur ein Bruchteil gelangt auch zu einer Narbe. Die weiblichen Blüten besitzen außer der Blütenhülle nur noch einen Fruchtknoten; die Narbenoberfläche ist papillös und außerdem feucht, wodurch der Pollen leichter haften bleibt. Während der Fruchtentwicklung entsteht gleichzeitig der kompliziert gebaute Fruchtbecher, aus dem die Eichel zuletzt weit herausragt. Er besitzt bei den meisten Arten eine ganz charakteristische Form. An seiner Außenseite sind nur die Spitzen der kleinen, miteinander verwachsenen Blättchen zu erkennen. Zur Reifezeit fällt die Eichel aus dem Becher heraus und beginnt alsbald zu keimen. Die Fruchtwand wird an der Spitze gesprengt und die Keimwurzel tritt aus. Die Keimblätter bleiben in der Fruchtschale verborgen. Präpariert man eine Eichel auf, so zeigt sich, daß fast der gesamte Innenraum von den beiden dicht aufeinanderliegenden, festfleischigen Keimblättern eingenommen wird. Sie speichern Nährstoffe, die zunächst für die Ausbildung der kräftigen Keimwurzel benötigt werden. Im Frühjahr endlich entsteht auch der oberirdische Trieb. Er ist am Grund mit Schuppenblättern, an der Spitze mit einigen Laubblättern besetzt. Damit ist das Wachstum im 1 Jahr abgeschlossen. Blühfähig werden junge Stieleichen im Alter von 15-20 Jahren, ihr Höhenwuchs ist mit 120-l50Jahren beendet. Die Stieleiche kann sehr alt werden; 500-800Jahre sind sicher nachgewiesen.

Stiel-Eiche in Essing im Altmühltal Das Alter wird durch die Auszählung der sog. Jahresringe im Holzkörper bestimmt. Pro Jahr bildet sich ein Ring, der sich ziemlich deutlich vom vorhergehenden dadurch abhebt, daß die Gefäße einer jährlichen Wachstumsperiode ungleich große Durchmesser haben. Im Frühjahr sind sie großlumig, während die zuletzt gebildeten sehr klein sind, so daß sich deutliche Ringmuster ergeben. Auch sind Jahresringe nicht immer gleich dick. In sehr trockenen Jahren können sie schmaler sein als in den für das Wachstum besonders günstigen regenreichen Jahren. So weisen alle Stämme einer Art in einem Gebiet das gleiche Muster auf. Diese Jahresringmuster bilden die Grundlage für die dendrochronologischen Untersuchungen zur exakten zeitlichen Datierung von Hölzern. Da man durch die Kombination von verschiedenen Stämmen ganze Reihungen von Jahresring-Jahrhunderten hat, lassen sich sowohl Holzplastiken als auch römische Schiffsreste exakt datieren.

Die Stieleiche zeichnet sich durch ein hohes Ausschlagsvermögen aus. Sie eignet sich daher vorzüglich zur Niederwaldbewirtschaftung mit einem Umtrieb von 12-20 Jahren. Früher wurden solche Bäume vor allem für die Gerbstoffgewinnung benötigt: 15-20 cm dicke Stämme wurden im Mai geringelt und die Rinde dann abgeschält; sie kam als sog. Gerberlohe getrocknet in den Handel. Der Gerbsäureanteil betrug 8-20%. Das Restholz diente als Brennmaterial und Nutzholz.

Ausgewachsene Stieleichen können einen Stammdurchmesser bis zu 2 m erreichen. Das Holz hat wie bei der Traubeneiche einen gelblichweißen Splint und einen dunkleren Kern. Es zeichnet sich durch große Festigkeit und Elastizität aus, die von keiner anderen Holzart übertroffen wird. Nach der Bearbeitung glänzt es matt und ist gut polierfähig, doch bedarf es einer sorgfältigen Trocknung, da es leicht reißt. Gute Stämme werden für Furniere, Treppenstufen, Parkett und Fußböden verwendet. Ihre gute Haltbarkeit im Freien, namentlich auch unter Wasser, ermöglicht die Verwendung im Brückenbau, als Eisenbahnschwellen und im Schiffsbau, überdies liefert die Stieleiche ein vorzügliches Faßholz.

Stiel-Eiche in Essing im Altmühltal Die Eiche ist heute in Mitteleuropa zwar ein wichtiges und häufiges Laubgehölz, kam aber früher in geschlossenen Beständen vor. Ihre Hauptverbreitung hatte sie in der sog. Mittleren Wärmezeit, dem Atlantikum, die auch als Eichenzeit bekannt ist. Diese Zeitperiode umspannt die Jahre von 5.000-2.500 v. Chr. Nachfolgende Klimaverschlechterungen begünstigten das Vordringen der Rotbuche. Der Mensch hat viel zur Förderung des Eichenwaldes beigetragen. Die Früchte, nicht in jedem Jahr in großen Mengen gebildet, waren für die Schweinezucht von großer Bedeutung, denn die nahrhaften Samen enthalten bis zu 38% Stärke; die Kohlehydrate machen bis zu 80 % der Trockensubstanz aus. Wegen der Bitterstoffe sind die Eicheln für den Menschen ungenießbar. In der Natur werden sie von Hähern, Ringeltauben, Eichhörnchen, Hamstern und Mäusen verzehrt und auch verbreitet.

Wie kaum eine andere Gehölzgruppe werden die Eichen von gallbildenden Insekten befallen. Gallen können an Blütenständen, Sproßachsen und Blättern entstehen. Stets sind sie charakteristisch geformt. Galläpfel wurden früher zur Gewinnung von Gerbstoffen gesammelt. Sie werden durch eine Gallwespe hervorgerufen und befinden sich immer auf der Blattunterseite. Die Seidenknopfgalle und die Große Linsengalle werden von verschiedenen Gallwespen hervorgerufen und entstehen nur an der Blattunterseite zwischen den Blattadern. Häufig sind bisweilen auch die sog. Knoppern, verholzende Mißbildungen am Fruchtbecher. Erreger ist die Knoppern-Gallwespe. Die "Eichenrosen" schließlich sind Sproßgallen mit schuppenförmigen Blättern.

Unter den zahlreichen, blattfressenden Insekten ist der Eichenwickler, ein Schmetterling, besonders hervorzuheben, da seine Raupen oft für den Kahlfraß ganzer Eichenwälder verantwortlich sind. Die Eichen können den Blattverlust jedoch durch Laubneubildung ausgleichen.



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Zuletzt aktualisiert am 21.08.2011 von Bernhard Steibl