| 100 Jahre war der Biber, mit dem volkstümlichen Namen "Meister Bockert", in Bayern ausgerottet. Jetzt, 27 Jahre nach dem Beginn seiner Wiedereinbürgerung, scheint sich der Bestand des größten Nagetieres Europas in Bayern zu stabilisieren. Durch die jahrzehntelange Abwesenheit des Bibers in unserer Kulturlandschaft ging in der Bevölkerung das Wissen über die Lebensweise und den Umgang mit diesem Nager verloren. Zwischenzeitlich hat der Mensch auch den Lebensraum des Bibers, die Gewässer und ihre Auen, tiefgreifend verändert. In breiten Schichten unserer Bevölkerung wird seine erneute Anwesenheit in unseren Gewässersystemen mit Sympathie aufgenommen. Zurückhaltung ist teilweise dort festzustellen, wo er mit dem Menschen um die Nutzung vorhandener Ressourcen konkurriert. Bedingt durch seine Lebensweise beansprucht der Biber ufernahe Bereiche unserer Gewässer. Land- und forstwirtschaftliche Nutzung innerhalb des vom Biber bewohnten Uferstreifens erfährt nicht selten Beeinträchtigungen durch Fraß von Gehölzen und Feldfrüchten oder Einbrechen vom Biber gegrabener Erdgänge. Das Nebeneinander von Mensch und dieser Tierart, die sich ihren Lebensraum aktiv gestaltet, ist möglich, wenn den Bächen und Flüssen ein angemessener Auenbereich zugestanden oder wieder geschaffen wird. Intakte Auen erfüllen über die Funktion als Biberlebensraum hinaus vielfältige Aufgaben: | ![]() |
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Der Europäische Biber (Castor fiber Linnaeus) erreicht eine Körperlänge bis zu 1,3 m, wovon auf den abgeflachten, beschuppten Schwanz, die sogenannte Biberkelle, bis zu 30 cm entfallen können. Sein Gewicht beträgt bei ausgewachsenen Tieren bis zu 30 kg. Neben der Körpergröße stellt der flache Schwanz das beste Unterscheidungsmerkmal zu dem ähnlich aussehenden Sumpfbiber (Nutria) und Bisam dar. Biber leben in Einehe. Das Revier einer Biberfamilie, die aus dem Elternpaar und zwei Generationen von Jungtieren besteht, umfaßt je nach der Qualität des Biotops 1 bis 3 km Fließgewässerstrecke. Die Reviergrenzen werden mit dem sogenannten Bibergeil, einem öligen Sekret aus einer Drüse im Afterbereich, markiert und gegen Eindringlinge verteidigt. |
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Als reine Pflanzenfresser müssen sich Biber je nach Jahreszeit dem unterschiedlichen Nahrungsangebot anpassen: Im Sommerhalbjahr besteht die Kost überwiegend aus Gräsern, Kräutern und Wasserpflanzen, wobei in Gebieten mit landwirtschaftlicher Nutzung zusätzlich Mais, Rüben und Getreide gefressen werden. Im Winterhalbjahr dagegen stellt sich der Biber auf die Rinde und Zweige der stehenden oder von ihm gefällten Bäume um. Er frißt aber auch Rhizome von Wasser- und Uferpflanzen. Im Biberrevier befinden sich in der Regel zwei bis vier (manchmal bis zu zehn) Wohnbaue unterschiedlichster Form: Vom einfachen Erdbau, über den Mittel- und Hochbau, bis hin zur klassischen Biberburg, die nicht selten vollständig von Wasser umgeben ist. Daneben werden mitunter Fluchtröhren, Freßröhren und Spielröhren angelegt. Der Eingang zum Wohnkessel ist immer unter dem Wasserspiegel, der Wohnkessel, ein Wohnraum mit einem Durchmesser bis zu 120 cm und einer Höhe bis zu 60 cm, liegt über Wasser. |
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